6 März 2026

Krieg in Nahost: Die Folgen an der Börse

Die Kapitalmärkte sind in Unruhe. Im folgenden Blog-Artikel beleuchten wir die aktuelle Situation und geben Empfehlungen, wie als Anleger nun zu reagieren ist.

Auslöser ist die Eskalation der militärischen Auseinandersetzungen rund um den Iran seit dem vergangenen Wochenende. Angriffe und Gegenschläge im Nahen Osten haben die Sorge vor einer regionalen Ausweitung des Konflikts spürbar verstärkt und damit ein Risiko erneut in den Vordergrund gerückt, das an den Märkten lange Zeit eher theoretisch erschien. Für Investoren steht dabei vor allem die Gefahr möglicher Störungen im globalen Energiehandel im Mittelpunkt. Die Region rund um die Straße von Hormus ist ein zentraler Knotenpunkt für einen erheblichen Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen. Entsprechend sensibel reagierten die Märkte: Seit dem Ausbruch der Kämpfe ist die Volatilität merklich gestiegen, der Ölpreis legte in den ersten Handelstagen um mehr als 18 Prozent zu. Rohöl der Sorte Brent notierte zeitweise über 85 US-Dollar je Barrel – ein Preisniveau, das nicht nur energieintensive Volkswirtschaften belastet, sondern auch makroökonomisch relevante Folgewirkungen entfalten kann. Europäische Gaspreise stiegen innerhalb weniger Tage um über 70 Prozent.

Die unmittelbare Marktreaktion folgte dabei dem bekannten Muster geopolitischer Schocks. Energiepreise zogen kräftig an, während sich Investoren zumindest vorübergehend von Anlagen, denen ein größeres Risiko anhaftet, zurückzogen und verstärkt in klassische sichere Häfen wie Staatsanleihen, Gold und den US-Dollar umschichteten – jedoch mit unterschiedlicher Gewichtung. Auffällig ist jedoch, dass es bislang nicht zu einer breit angelegten Flucht aus den Aktienmärkten kam. Vielmehr zeigt sich eine zunehmende Differenzierung: Während Unternehmen aus dem Energie- und Rohstoffsektor profitieren, geraten konjunkturabhängige und stark exportorientierte Branchen stärker unter Druck.
Gleichzeitig hat der Ölpreisanstieg eine Debatte zurück auf die Agenda gebracht, die an den Märkten zuletzt an Bedeutung verloren hatte: die Frage nach möglichen inflationären Zweitrundeneffekten. Steigende Energiepreise wirken wie eine zusätzliche Steuer auf Konsum und Unternehmen und könnten – sollten sie sich verfestigen – die Hoffnung auf einen größeren geldpolitischen Spielraum der Notenbanken dämpfen. Vor allem für die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbankverschärft sich damit der Zielkonflikt zwischen konjunktureller Unterstützung und der Eindämmung der Inflation.
Aus unserer Sicht bleibt kurzfristig die geopolitische Entwicklung der dominante Treiber für die Märkte. Sollte der Konflikt weiter eskalieren mit nachhaltigen Auswirkungen auf Energiepreise und Lieferketten, dürfte die Risikoprämie an den Kapitalmärkten weiter steigen: Anleger würden noch vorsichtiger werden und höhere Renditen für riskante Anlagen verlangen. Gleichzeitig zeigt die bisherige Marktreaktion, dass Investoren nicht von einem Worst-Case-Szenario ausgehen, sondern auf eine begrenzte und kontrollierbare Eskalation setzen.

Aktien

Geopolitisch ist der Iran-Krieg äußerst bedeutsam, für die globalen Aktienmärkte jedoch nicht automatisch marktbestimmend. Ein Teil der Risiken war bereits vor der jüngsten Eskalation im Markt reflektiert, weshalb die Reaktion an den US-Börsen bislang verhalten ausfiel. In Europa verlor der STOXX Europe 600 zu Wochenbeginn zunächst über fünf Prozent, bevor eine leichte Erholung einsetzte. Historische Muster bei vergleichbaren Konflikten zeigen häufig eine kurze, teils heftige Marktreaktion über zwei bis drei Wochen, gefolgt von einer Erholung.
Entscheidend für Ausmaß und Dauer der Auswirkungen an den Aktienmärkten sind die Energiepreise und eine mögliche Verknappung von Rohstoffen. Der Worst Case wäre ein Ölpreisschock wie beim ersten Golfkrieg im Jahr 1990. Zweitrundeneffekte in energieintensiven Branchen (z. B. Chemie/Düngemittel) könnten im Jahresverlauf nachwirken. Das größte Risiko bleibt daher eine anhaltende Störung der Öl- und Gasversorgung, etwa durch eine längerfristige Blockade der Straße von Hormus oder iranische Angriffe auf regionale Infrastruktur. Ein schwerer, dauerhafter Ausfall hätte spürbare Folgen für das globale Wirtschaftswachstum.
Der US-Markt wirkt in einem solchen Umfeld strukturell robuster als viele Importländer. Europa bleibt besonders sensibel gegenüber Gaspreisen, wie die Invasion der Ukraine durch Russland im Jahr 2022 gezeigt hat. Nach der ersten unmittelbaren Bewegung an den Märkten verlagerte sich damals der Druck vor allem auf gasintensive, zyklische Sektoren, während defensivere Bereiche und Energie relativ besser abschnitten. Das gleiche Muster deutet sich jetzt wieder an, allerdings bei geringen direkten Handelsverflechtungen mit dem Iran. Besonders betroffen sind verarbeitende Industrie, Auto- und Bauwerte, Chemie sowie zyklischer Konsum. Energie, Versorger und Gesundheit gelten als vergleichsweise widerstandsfähig.

Anleihen

Der Iran-Konflikt hat im Rentenmarkt auf vielfältige Weise Spuren hinterlassen und einen bemerkenswerten „Risk Off“-Moment markiert: Die sprunghaft steigenden Preise für Öl und Gas schürten unmittelbar die Sorge vor einer neuen Inflationswelle. In diesem Umfeld gerieten die Kurse an den globalen Anleihemärkten unter Druck. Besonders ausgeprägt zeigte sich diese Dynamik am europäischen Rentenmarkt, wo aufgrund relativ leerer Gasspeicher und der Furcht vor Versorgungsengpässen die Verunsicherung besonders groß ist. Hochzinsanleihen standen naturgemäß ebenso unter Druck. Sektoral wurde hier kein wirklicher Unterschied gemacht – Ausdruck einer tiefen Verunsicherung.
Selbst Staatsanleihen wurden ihrem „Safe Haven“-Status, den sie in Phasen geopolitischer Unsicherheiten normalerweise haben, nicht gerecht. Stattdessen wurde der US-Dollar gesucht, der eine bemerkenswerte Recovery erfuhr, nach einer erheblichen Abwertung seit Anfang vergangenen Jahres.
Nach den ersten Schockwellen scheint nun eine gewisse Stabilität eingekehrt zu sein, die allerdings fragil ist. Jeder Form der Eskalation – verbal oder tatbedingt – kann den Rentenmarkt erneut unter Druck setzen.
Unter der Annahme, dass der Konflikt eher in einem Zeitraum von Wochen und nicht Monaten einzuordnen ist, bietet die derzeitige Situation interessante Chancen für Investoren. Anleger sollten daher nicht in den Panikmodus verfallen. Auf der Investment-Grade-Seite lässt sich nun Duration zu höheren Renditen einkaufen und im Hochzinsanleihen-Segment lassen sich partiell sehr interessante Chance-Risiko-Profile finden – nun mit attraktiveren Renditen als vor Ausbruch des Konflikts.
Bislang wurde das Inflationsumfeld maßgeblich von einem Szenario dominiert: Man setzte darauf, dass massive Produktivitätsgewinne durch KI-Investitionen, ein zumindest moderater US-Arbeitsmarkt sowie weitere Zinsschritte der neu aufgestellten US-Notenbank den Preisdruck nachhaltig dämpfen und den Weg für niedrigere Leitzinsen ebnen würden. Inflationäre Elemente wie eine expansive Fiskalpolitik, die (erratische) US-Zollpolitik und Deglobalisierungstrends wurden weitestgehend ausgeblendet. Der Iran-Krieg hat dieses Narrativ vorerst ausgesetzt. Sollte das Narrativ der disinflationären Wirkung von KI und einer lockereren Geldpolitik mit sinkenden Zinsen jedoch wieder an Überzeugungskraft gewinnen, ist mit steigenden Anleihekursen, sprich sinkenden Renditen zu rechnen.

Fazit

Der Iran-Konflikt ist eine neue, erhebliche Unsicherheitsquelle. Die bisherige Einschätzung der Märkte deutet darauf hin, dass derzeit eher ein kürzerer Konflikt eingepreist wird. Die Bandbreite denkbarer Szenarien reicht von rascher Deeskalation bis zu einer längeren Auseinandersetzung mit deutlich höheren Kursrisiken. Historisch haben sich Märkte nach geopolitischen Schocks auf Zwölf-Monats-Sicht meist erholt, der Weg dorthin kann jedoch holprig sein. Für die kommenden Tage und Wochen bedeutet dies, dass die Schwankungen erheblich sein dürften, Rückschläge sind jederzeit möglich. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch Chancen für selektive Positionierungen – insbesondere in Bereichen, die von höheren Energiepreisen profitieren oder als Stabilitätsanker im Portfolio dienen. Taktisch spricht dies für breite Diversifikation, Qualitätsunternehmen mit soliden Bilanzen, ausreichend Liquiditätspuffer und eine kritische Überprüfung von Positionen, die im Worst-Case-Szenario besonders leiden würden. Entscheidend wird sein, die politische Nachrichtenlage eng zu verfolgen und Portfolios so auszurichten, dass sie sowohl kurzfristige Risiken abfedern als auch mittel- bis langfristige Chancen nutzen können.

Foto von Ian Sommonds auf Unsplash
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