12 Februar 2026

Kupfer-Rally: Knappes Angebot, hohe Nachfrage

Kupfer hat sich in gut einem Jahr um fast fünfzig Prozent verteuert. Wo die genauen Gründe für die Rally liegen und wie die weiteren Aussichten sind, beschreibt unser Blog-Beitrag.

Am Kapitalmarkt beherrschen die Diskussionen um Gold und Silber die Schlagzeilen. Doch jenseits der Edelmetalle sind auch bei etlichen Industriemetallen interessante Entwicklungen zu beobachten. Bestes Beispiel ist Kupfer. Anfang vergangenen Jahres stand der Preis noch bei 8878 Dollar je Tonne, vor wenigen Tagen waren es über 13.100 Dollar. Dies ist ein Plus von fast 50 Prozent binnen gut einem Jahr.

Woher kommt dieser enorme Aufschwung? Häufig wird dem Kupferpreis nachgesagt, dass er ein Pulsmesser für den Zustand der Weltwirtschaft ist. Je besser die globale Konjunktur, desto höher der Kupferpreis. Daher auch sein Spitzname Dr. Copper. Zwar befindet sich die globale Konjunktur mit einem erwarteten Wachstum von 3 % in diesem Jahr in einem robusten Zustand, doch rechtfertigt dies eine derartige Kupferrally? Oder gibt es andere Gründe?

Fakt scheint zu sein: Der globale Transformationsprozess – getragen durch die Energiewende, den massiven Ausbau digitaler Infrastruktur inklusive KI, neue industrielle Anwendungen und die immer bedeutsamer werdende Elektromobilität – hat eine strukturelle Nachfrage geschaffen, die unabhängig von kurzfristigen Wirtschaftszyklen wirkt. Kupfer ist für diesen Wandel unverzichtbar. Schon heute entfallen etwa 60 Prozent des weltweiten Kupferbedarfs auf die Elektroindustrie und die Energiebranche, ein Verhältnis, das sich im Zuge der Elektrifizierung weiter erhöht. Gleichzeitig ist ein neuer Großabnehmer entstanden, der die Nachfrage nach oben treibt: Rechenzentren für KI‑Anwendungen. Sie benötigen aufgrund ihrer Leistungsdichte und ihres kontinuierlich steigenden Energiebedarfs deutlich größere Mengen Kupfer als frühere Anlagen. Parallel dazu wächst der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien in einem Tempo, das den Rohstoffmarkt vor große Herausforderungen stellt. Jede neue Windkraftanlage, jeder zusätzliche Kilometer Stromnetz und jedes weitere Megawatt Solarenergie erhöhen den Kupferbedarf. Prognosen gehen davon aus, dass die weltweite Nachfrage bis 2035 um rund 50 Prozent steigen könnte, allein aufgrund der Elektrifizierung und des Ausbaus dezentraler Energieinfrastruktur.

Dem gegenüber steht eine Angebotsseite, die deutlich weniger flexibel ist. Große Minen in Chile und Peru kämpfen mit Produktionsproblemen, die von Stromausfällen über soziale Konflikte bis hin zu Umweltauflagen reichen. Erschwerend kommt hinzu, dass viele der wichtigsten Kupferminen bereits über fünf Jahrzehnte in Betrieb sind und zunehmend geringere Erzgehalte fördern, was die Produktionskosten erhöht und die verfügbare Menge reduziert. Neue Projekte können dieses Defizit kurzfristig nicht auffangen, denn von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur Inbetriebnahme vergehen häufig zehn bis fünfzehn Jahre. Die US-Investmentbank JP Morgan erwartet für 2026 ein globales Defizit von rund 330.000 Tonnen raffiniertem Kupfer.

China bleibt in diesem Gefüge ein Schlüsselfaktor. Das Land ist der größte Einzelverbraucher von Kupfer und gleichzeitig ein bedeutender Verarbeiter. Peking hat angekündigt, Chinas Überkapazitäten in der Kupferverarbeitung reduzieren zu wollen. Diese Maßnahme könnte zu einer geringeren Nettoausfuhr bestimmter Produkte führen, was die globalen Lieferketten zusätzlich verengt. Auch handelspolitische Einflüsse haben die Marktbewegungen mitbestimmt. Die Diskussion um mögliche US‑Zölle auf Kupferimporte führte 2025 zu spürbaren Verwerfungen, da viele Marktteilnehmer große Mengen vorzeitig in die USA verschifften. Diese Effekte sind allerdings nach Einschätzung vieler Analysten temporär und verändern die übergeordnete Preisdynamik kaum.

Wie sich der Kupferpreis weiter entwickeln wird, lässt sich nicht voraussagen. Die Prognosen der großen Investmenthäuser wie Goldman Sachs oder JP Morgen liegen für das laufende Jahr etwas unter dem aktuellen Niveau. Gleichzeitig dürfte das übergeordnete Bild für die kommenden Jahre erhalten bleiben: Kupfer wird zu einem Rohstoff, der nicht nur konjunkturelle Entwicklungen widerspiegelt, sondern die infrastrukturellen und technologischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte abbildet. Gerade in dieser Phase lohnt es sich, Rohstoffe wie Kupfer nicht nur als zyklische Anlageklasse zu betrachten, sondern als Bestandteil einer langfristig ausgerichteten Vermögensstrategie, die globale Megatrends abbildet und frühzeitig auf strukturelle Verschiebungen reagiert.

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