
Donald Trump hält die Welt in Atem und überzieht die ganze Welt mit Zöllen. Trump will damit die US-Wirtschaft stärken, Industriearbeitsplätze schaffen, das Handelsbilanzdefizit der USA abbauen und die Verschuldung zurückfahren. Die Börsen sind geschockt. Was bedeutet das nun für die weitere Entwicklung an den Kapitalmärkten? Sven Langenhan, Leiter des Investment Office bei HRK LUNIS, gibt eine Einordnung und erläutert, wie sich HRK LUNIS positioniert.
Herr Langenhan, US-Präsident Donald Trump will weltweit die Zölle erhöhen schickt damit die Märkte auf Talfahrt. Hat Sie das Ausmaß der Zölle überrascht?
Nein, ich war nicht sonderlich überrascht, weil ich das für gut möglich gehalten habe. Es war zwar nicht mein Hauptszenario, aber ich habe in den vergangenen Wochen seinem Handelsminister Howard Lutnick und dem Finanzminister Scott Bessent zugehört und gemerkt: Die meinen das wirklich ernst.
Wie hat sich HRK LUNIS auf die Zollankündigungen vorbereitet?
Wir waren schon lange vorher relativ defensiv aufgestellt, haben also einen geringeren Aktienanteil im Portfolio und auch den US-Anteil gesenkt. Zahlreiche Marktteilnehmer dagegen scheint Trump noch immer auf dem falschen Fuß erwischt zu haben.
Zunächst hatten die Märkte ja noch positiv auf die Wahl Trumps reagiert. Wie war das bei Ihnen?
Wir hatten damals schon Zweifel. Rückblickend kann man allerdings sagen: Wir waren sogar zu lange defensiv und hätten an der Rally, die es ja bis Januar gab, noch stärker partizipieren können.
Welche Lehren ziehen Sie bisher aus seiner Amtszeit?
Vor allem, dass man ihn nicht unterschätzen darf. Viele glauben anscheinend immer noch, dass es Trump nur darum gehe, einen Deal auszuhandeln. Das denke ich nicht. Dennoch darf man ihn auch nicht überbewerten. Auch Donald Trump wird die USA nicht zerstören können. Seit den Fünfziger-Jahren haben sich die Gewinne der S&P-500-Unternehmen alle zehn Jahre verdoppelt – egal, was passierte und wer gerade Präsident war. Warum sollte das in Zukunft anders sein?
Vielleicht, weil Trump die staatliche Ordnung der USA aktiv bekämpft?
Die USA sind aber noch kein autoritärer Staat wie China und das wird Trump auch nicht gelingen. Die Amerikaner sind freiheitsliebend und spätestens, wenn es ans eigene Portemonnaie geht, auch sehr meinungsflexibel. Aber es braucht sicherlich einen Risikoaufschlag für US-Assets.
Seine Administration geht ja auch offen gegen die Rechtsstaatlichkeit vor. Wird das zu einem Problem für Anleger?
Aus meiner Sicht geht es nicht nur um Rechtsstaatlichkeit, sondern auch um die Verlässlichkeit der USA. Die USA, die vom Welthandel sehr profitiert haben, treten diesen weichen, aber wichtigen „Rohstoff“ gerade mit Füßen. Der Vertrauensbruch im Rest der Welt ist groß und wird sich nicht schnell reparieren lassen. Der Markt versucht derzeit, das einzupreisen.
Wird die Inflation in den USA aufgrund der Zölle steigen?
Zölle wirken inflatorisch. Und wenn sie tatsächlich so bestehen bleiben, wie es aktuell im Raum steht, dann sind Berechnungen von US-Investmentbanken, die von 1,5 Prozentpunkten zusätzlicher Inflation ausgehen, durchaus realistisch. Denkbar ist vielleicht, dass die Unternehmen die Zölle nicht eins zu eins weitergeben, sondern auch einen Teil ihrer Gewinne abknapsen – aber dennoch: Schön ist das erstmal nicht.
Wie sollten Anleger ihr Depot aufstellen?
Ich denke, dass Flexibilität wichtig ist. Wir fahren derzeit eine Bargeldquote von 15 bis 20 Prozent, normalerweise sind wir bei unter fünf. Das hat zwei Vorteile: Erstens stabilisiert der Cash-Anteil bei der aktuellen Volatilität etwas. Zweitens hat man mit Cash die Möglichkeit, Schnäppchen zu kaufen, wenn sich der Sturm etwas gelegt hat. Außerdem halten wir immer auch einen Goldanteil – als Versicherung gegen bekannte und vor allem auch unbekannte Risiken im Finanzsystem.
Was ist mit Kryptowährungen wie Bitcoin?
Als Vermögensverwalter, und damit Treuhänder von langfristig investiertem Kundenvermögen, spekulieren wir nicht mit Bitcoin, weil wir uns nicht in der Lage sehen einzuschätzen, wie und auf welcher Basis sich der Kurs verändert. Wenn ich in der S-Bahn fahre, dann höre ich derzeit immer wieder Gespräche über Bitcoin. Die Leute geben unzählige strategische Gründe an, wieso sie investieren. Letztlich ist es aber so, dass sie kaufen, weil die Preisentwicklungen der letzten Jahre die Gier nach mehr schürt. Es glaubt derzeit beispielsweise doch nahezu keiner wirklich daran, dass man in unmittelbarer Zukunft mit Bitcoin bezahlen würde. Unseren Kunden könnten wir bei möglichen signifikanten Kursrücksetzern nicht erklären, wieso und auf welcher fundamentalen Entscheidungsbasis wir Kryptowährungen eingesetzt haben.