1 Oktober 2022

Vorteile der Diversifikation mittels unterschiedlicher Anlageklassen

Anleger:innen haben individuelle Vorstellungen davon, wie sie ihr Geld anlegen möchten. Das Investieren in Anlageklassen mit unterschiedlich hohen Chancen und Risiken trägt diesen Wünschen Rechnung. Einfach ausgedrückt ist eine Anlageklasse (auch Assetklasse) eine Gruppe vergleichbarer Finanztitel. Verschiedene Klassen von Anlagevermögen – beispielsweise festverzinsliche Anlagen (Anleihen) – werden aufgrund ihrer ähnlichen Finanzstruktur in Gruppen zusammengefasst. Die Korrelation zwischen den verschiedenen Anlageklassen ist in normalen Marktphasen meist gering. Diese Eigenschaft ist ein wesentliches Merkmal im Bereich des Investierens. Deshalb werden Anlageklassen in einem Portfolio häufig gemischt, um dadurch das Portfoliorisiko zu streuen und zu diversifizieren. Diesem Vorgehen liegt die Annahme zugrunde, dass jede Anlageklasse unterschiedliche Risiko- und Renditemerkmale aufweist und sich in einem bestimmten Marktumfeld nicht identisch entwickelt. Diversifikation kann das Risiko verringern und gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass die gewünschte Mindestrendite erzielt wird. Alternativ kann sie eingesetzt werden, um die höchste Rendite bei festgelegtem Risiko zu erreichen. Mehr zum Thema Asset-Allokation können Sie in diesem Blogbeitrag lesen: https://lunis.de/volatilitaet/ 

 

Historisch betrachtet waren und sind bis heute die drei wichtigsten Anlageklassen Aktien, Anleihen und Bargeldäquivalente beziehungsweise Geldmarktinstrumente (Tagegelder, Festgeld). Heute beziehen die jeweiligen Anlageexpert:innen je nach Ausrichtung auch sogenannte Alternative Investments wie Immobilien, Rohstoffe, Private-Equity-Anlagen, andere Finanzderivate, Hedge Fonds, Sammlerstücke und Kryptowährungen in den Mix der Anlageklassen ein. Zu den Anlagewerten gehören also sowohl materielle als auch immaterielle Instrumente, die Anleger:innen kaufen und verkaufen, um entweder kurz- oder langfristig zusätzliche Erträge zu erzielen.

Manche Vermögenswerte lassen sich nur schwer klassifizieren. Börsentermingeschäfte lassen sich beispielsweise sowohl den Aktien oder Anleihen als auch den Termingeschäften zuordnen. Sachwerte wie Gold und Silber zählen physisch generell zu Rohstoffen, werden aber zusätzlich häufig in Form von Zertifikaten gehandelt, die wiederum zu den Finanzderivaten zählen. Die Vielfalt der verfügbaren Anlagen macht die Zuordnung ebenfalls kompliziert. So werden beispielsweise börsengehandelte Fonds (ETFs) genau wie Aktien an der Börse gehandelt. Vermögenswerte können auch nach Standorten kategorisiert werden. In Marktanalysen werden Anlagen in inländische Wertpapiere, Auslandsanlagen und Anlagen in Schwellenländern oftmals als verschiedene Kategorien von Vermögenswerten betrachtet.

Die einzelnen Assetklassen werden von uns taktisch in Abhängigkeit unserer Markterwartungen über- oder untergewichtet, um das Rendite-/Risikoprofil der Portfolios und damit einhergehend die Diversifikation zu verbessern. Im Detail gehen wir darauf in unserem Kapitalmarktkommentar (Q2) ein. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die für uns wichtigsten Anlageklassen:

 

Die Anlageklasse Aktien wird von uns aktuell untergewichtet, da wir das Rendite-/Risikoprofil negativer sehen als in normalen Marktphasen und konzentrieren uns kurzfristig weiterhin auf Unternehmen, deren zukünftige Gewinnentwicklung wir aufgrund stabilen Wachstums als verlässlich einschätzen. Nach Ende des aktuellen Bärenmarktes (anhaltend sinkende Kurse), das wir mittelfristig erwarten, sehen wir die größten Chancen zum Aufbau der Aktienquote in den Sektoren Industrie, zyklische Konsumgüter und Informationstechnologie. Darüber hinaus erhöhen wir den Anteil chinesischer Aktien mit Fokus auf thematische Investitionen.

Im Bereich der Anleihen nimmt das Kreditrisiko zu. Dies vor allem durch die restriktive Haltung der Zentralbanken und die zunehmende Bepreisung einer bereits eingetretenen bzw. drohenden Rezession. Wir erwarten zwar höhere Risikoprämien bei Unternehmensanleihen, rechnen aber in den nächsten zwölf Monaten nicht mit einem sprunghaften Anstieg der Kreditausfälle. Deshalb erhöhen wir die Qualität des Anleiheportfolios beziehungsweise verbessern das Liquiditätsprofil, bleiben aber im Anleihebereich untergewichtet. Wir sind vor allem hinsichtlich der Laufzeit vorsichtig und präferieren kurzlaufende Anleihen, die höhere Zinsen bieten und weniger volatil sind.

Rohstoffe neigen dazu, nach dem Höhepunkt einer Inflationsentwicklung eine schwache Wertentwicklung aufzuweisen. Vor allem dann, wenn eine Rezession droht. Gold wird derzeit durch die gestiegenen, hohen Realzinsen belastet. Nach unserer Einschätzung birgt es dennoch weiterhin Absicherungs- und Diversifikationsvorteile im Portfoliokontext und zwar aus drei Gründen: durch die starke Nachfrage von Verbraucher:innen und Zentralbanken, den anhaltenden geopolitischen Spannungen und der bestehenden Unsicherheit in Bezug auf globales Wachstum und die hohe Inflation.

Wegen der hohen Unsicherheiten an den Kapitalmärkten setzen wir zur Risikominimierung auf die Übergewichtung der Liquiditätsquote, da sie aus unserer Sicht ein derzeit besseres Rendite-Risiko-Verhältnis aufweist als Aktien und Anleihen.

Wenn Sie weitere Informationen wünschen oder Fragen zu diesen oder anderen Anlageklassen haben, gibt Ihnen unser Portfoliomanager Saliou Amann, saliou.amann@lunis.de gerne unverbindlich Auskunft.